Reisebericht Kroatien 2012

Normalerweise brauche ich ja meinen ganzen Urlaub fürs Segelfliegen, aber da ich heuer beruflich bedingt in der Hauptsaison keinen Urlaub nehmen konnte, sind mir einfach im Herbst ein paar Urlaubstage für eine Wohnmobilreise nach Kroatien "übrig geblieben".

Grobes Ziel: Kroatisch Küste, kein km auf der Autobahn, jede Nacht einem anderen Ort, nix Fliegen, kein Stress - oder so ähnlich (sicherheitshalber hab ich die Fliegersachen aber schon mitgenommen).

 

Die folgenden Tagesberichte entsprechen weitgehend denen, die ich während der Reise im Facebook gepostet habe. Das Echo und die virtuelle Teilnahme war einfach überwältigend. Die unzähligen Kommentare und "gefällt mir" haben mich motiviert, täglich einen Bericht und Fotos zu posten, so dass letztendlich ein vollständiger Reisebericht rausgekommen ist.

Freitag, 21.9.2012 - Tag 1

Meine Reisevorbereitungen waren ziemlich minimalistisch und außer dem Auffüllen von Diesel- und Wassertank habe ich eigentlich nur etwas mehr Wäsche als für ein Wochenende am Flugplatz eingepackt.

 

Da ich am Vormittag noch arbeiten war bin ich gleich mit dem Wohnmobil nach Stockerau gefahren.

 

Zumittag habe ich noch meine Gasvorräte und den Kühlschrank aufgefüllt und bin gegen 13:00 über folgende (autobahnlose) Route Richtung Süden losgefahren:

Tulln - St. Pölten - Pielachtal - Gamming - Göstling - Hieflau - Gesäuse - Admond - Kaiserau - Trieben - Hohentauern - Murtal - Turach - Ossiacher See

Ist zwar mühsamer, aber 100x gscheiter als Lärmschutzwände anzuschauen ...

Kilometerstand: 414

Standort zum Übernachten: Camping Kalkgruber, am östlichen Ende des Ossiacher Sees

Samstag, 22.9.2012 - Tag 2

Heute bin ich vom Ossiacher See über den Wurzenpass nach Kranska Gora und über den Triglav-Nationalpark gefahren: Unglaubliche Gegend, knapp 1600 m hoch, über 1 Stunde so gut wie keine Hinweise auf menschliche Zivisation (bis auf die Straße halt). Wäre eine Wahnsinnsstrecke für Motorradfahrer, für breitere Wohnmobile als meines aber eher nix und ob der serbische Uralt-Setra-Bus drüber gekommen ist bezweifle ich.


Dann das Soca-Tal entlang bis Nova Gorica, über die Grenze nach Italien und ab Monfalcone die Küste entlang bis Triest, dann wieder nach Slowenien und kurz danach nach Kroatien bis zum Campingplatz südlich von Umag (wegen dem WLAN auf allen Stellplätzen). Ich bin ziemlich am hintersten Eck, aber dafür fast am Meer gestanden, nur die WLAN-Verbindung war unbrauchbar. Immerhin bin ich wie geplant ohne Autobahn und ohne Maut in Kroatien angekommen (bin mir aber nicht mehr ganz sicher, ob ich mir das heim auch noch antun werde).

Kilometerstand: 687

Standort zum Übernachten: Kamp Finida, südlich von Umag

Sonntag, 23.9.2012 - Tag 3

Heute morgen wieder über die slowenische Grenze nach Portoroz und Piran. Dann wieder zurück und die Küste runter bis Rovinj. Also, ganz an der Küste gehts meistens nicht, weil ich da immer wieder vor verschlossenen Toren stehe, die mein Navi und die Straßenkarte aber noch als befahrbar angeben.

In Rovinj hab ich einfach den nächstbesten Campingplatz ins Navi eingegeben und stehe jetzt auf einen pipifeinen Campingplatz, noch dazu mit sauteurem, aber immerhin funktionierendem WLAN, vor der Schiebetür rauscht das Meer und das Restaurant ist ungefähr 50m entfernt. Wäre ein nettes Platzerl für ein paar Tage, aber morgen gehts weiter Richtung Süden, mal schauen, was noch kommt ...

Und ich schau mal, ob ich eine Prepaid-SIM-Karte auftreiben kann, das wäre auf Dauer sicher billiger und vereinfacht die weitere Reiseplanung.

Kilometerstand: 857

Standort zum Übernachten: Kamp Valdaliso, nördlich von Rovinj

Montag, 24.9.2012 - Tag 4

Einfach die Küste runtergebummelt bis Pula und stehengeblieben, wo's mir gefallen hat.
Das Amphitheater von Pula soll ja das drittgrößte der Welt sein und ist auf jeden Fall ein eindrucksvolles Bauwerk, dessen Restaurierung aber auch irgendwie zum Rest von Kroatien passt: Uberall wird herumgebastelt, wenig ist wirklich fertig, vieles verfällt und einiges sogar schon bevor es richtig fertig geworden ist.

In Pula hab ich eine "Tele2-HR Prepaid Kartica Mobili Internet" bekommen, gleich die Micro-SIM-Karte rausgebrochen, ins Samsung Tablet gesteckt und mich gewundert, warum keine Wiederstand war - da hätte nämlich eh die normalgroße SIM-Karte reingehört! Mit viel Geduld und Modellbauwerkzeug hab ich das Ding wieder rausoperiert, aber leider auch einen Kontakt-Pin - jetzt ist eher ein Ameisen-Gynäkologe gefragt oder das gute Stück nur mehr als besseres Navi zu gebrauchen. Kleine SIM-Karte wieder in große SIM-Karte geklebt, damit sie wenigstens ins Notebook-USB-Modem passt - hätte auch funktioniert, wenn das Modem nicht gesperrt wäre. Danke A1, somit hab ich also eine kroatische SIM-Karte mit 1 GB und kann nix damit anfangen :-(

Jetzt aber wieder zu den wichtigeren Dingen:
In Premantura hab ich einen recht schrägen Campingplatz gefunden. Das Gelände ist ein einziger Hügel, die Stellplätze zwischen den Bäumen sind schief und die Bäume sind ebenfalls schief. Keine Ahnung, wie die Holländer in der Hauptsaison ihre Wohnwägen auf den Hügel und zwischen die Bäume bringen. Zur Zeit ist wenig bis nix los, die meisten Sanitäranlagen sind schon zugesperrt, die Steckdosen sind weit weg, dafür gibts gratis WLAN, das aber lausig funktioniert. Die wenigen Camper sind fast alle Surfer und die vorgelagerte Halbinsel ist praktisch eine österreichische Kolonie. Die Wind- und Kite-Surfer sich auch schwer in Ordnung und haben einen ganz ähnlichen Klopfer wie wir Segelflieger. Irgendwie mag ich den Ort.

Am späteren Nachmittag hat der Jugo ordentlich zu blasen begonnen, was die Surfer besonders gefreut hat. Für alle Wetterunkundigen: Das ist kein furzender Einheimischer, sondern ein typischer Wind für diese Gegend.

Kilometerstand: 932

Standort zum Übernachten: Camping Stupice, südöstlich von Premantura

Dienstag, 25.9.2012 - Tag 5

Also, über die rege Teilnahme an meinem kleinen Ausflug bin ich echt überrascht und möchte mich an dieser Stelle für alle Kommentare und „Gefällt mir“ bedanken.

Heute hab ich zumindest nix mehr kaputtrepariert, somit war‘s in der Hinsicht mal ein guter Tag.

Kühlschrank, Diesel- und Wassertank sind wieder randvoll, Abwassertank und WC sind leer, Gas hab ich sowieso mehr als genug an Bord und die Batterien sind dank der Solarzellen am Dach auch vollgeladen. Bis auf die fehlende Internetverbindung wäre ich also für den Rest der Woche völlig unabhängig.

Nachdem südlich vom Surfer-Campingplatz nur mehr Wasser ist, geht’s zwangsweise Richtung Norden und zwar diesmal auf der Ostseite von Istrien. Die Küste entlang nach Pomer, Medulin und Valtura, dann geht über schmale Nebenstraßen ins Landesinnere bis fast nach Pula zurück. Nach geschätzten 30 Minuten ins hinterste Istrien steht plötzlich eine ausgewachsene Boeing 757 mit laufenden Triebwerken vielleicht 100m neben mir – Pula International Airport.

Zuerst bin ich etwas enttäuscht, das bis Plomin die Straße doch recht weit im Hinterland verläuft, aber dann bietet die „Jadranska Magistrala“ immer wieder grandiose Ausblicke auf die weitgehend unberührte Natur Istriens. In Labin besichtige ich die absolut sehenswerte Altstadt und wundere mich, wie dichtgedrängt Häuser gebaut werden können.

Ab Plomin verlauft die Straße wieder direkt an der Küste und ich könnte alle 100m zum Fotografieren stehenbleiben. Der Blick auf die Bucht von Rijeka und die Inseln Cres und Krk ist einfach unglaublich. Am Campingplatz von Moscenicka-Draga wollte ich eigentlich übernachten, aber irgendwie taugt mir der Platz nicht – unpersönlich, relativ weit weg vom Meer, WLAN nur im Bereich der Rezeption, einfach nicht mein Platz.

Jetzt stehe ich nur 3 km nördlich auf einem im Vergleich zu den bisherigen recht kleinen Campingplatz wo ich mich zum ersten Mal auch ohne Lageplan sofort auskenne: Eine Straße rauf, eine Straße runter und dazwischen die Standplätze. WLAN gibt’s überall und es funktioniert sogar überraschend stabil.

Kilometerstand: 1045

Standort zum Übernachten: Autokamp Medveja

Mittwoch, 26.9.2012 - Tag 6

Heute bin ich über die bekannteren Touristenorte Lovran und Opatija nach Rijeka gefahren. Etwas außerhalb hab ich sogar eine „Bauhaus“ gefunden, wo ich mir ein Gardena-Wasserhahn-Anschlusstück geleistet habe, das ich großzügigerweise an einem Wasserhahn in Umag vergessen habe.

Dann über die Bakarski Bucht mit dem Erz- und Kohlehafen und die beeindruckende Stahlbeton-Bogenbrücke auf die Insel Krk, wo ich wieder an der Westküste bis ans südliche Ende fahren möchte.

Heute hab ich mir den Küstenort Glavotok und die Anlegestelle Valbiska angeschaut, von wo aus die Fähren zu den Inseln Cres und Rab fahren.

Jetzt bin ich mal am 4-Sterne-Campingplatz Jezevac, noch dazu an einem Stellplatz, der vielleicht 3m vom Meer entfernt ist, der Wind pfeift, das Meer schäumt vorm Wohnmobil – einfach lässig!

Kilometerstand: 1170

Standort zum Übernachten: Camping Jezevac, im Süden der Stadt Krk auf der Insel Krk

Donnerstag, 27.9.2012 - Tag 7

Am Abend hat sich meine Vermutung, dass es Richtung Osten nix wird mit kitschigen Sonnenuntergangsfotos, leider bestätigt und daher war recht frühes Aufstehen für Sonnenaufgangsfotos notwendig. Um 6:30 läutet daher wer Wecker, das Wohnmobil wackelt und durch die Windschutzscheibe sehe ich nur schemenhaft was ein cooler Sonnenaufgang sein könnte – der starke Wind von gestern Abend hat sich zu einem mittleren Sturm entwickelt und die Salzwassergischt hat meine Windschutzscheibe völlig verklebt. Also raus in den Sturm für die Fotos, aber die Ergebnisse waren‘s zumindest wert.
Vor der Abfahrt wasche ich mir und dem Wohnmobil das Salz runter, was dank meiner eingebauten Dusche und dem Campingplatz-eigenen Waschplatz (die wissen schon warum) recht zügig geht.
Die Fahrt Richtung Süden nach Ba
ška wird trotz einem Abstecher nach Punat mit 33km die bisher kürzeste auf meiner Reise.
Der Südzipfel der Insel Krk ist recht karg und die Hügel wirken eher wie zu groß geratene Haufen einer Schottergrube. Der Ort selbst hat aber dann doch wieder seinen eigenen Charme und am Hafen gibt’s jede Menge kleiner Geschäfte und Lokale. Der eher untypisch lange, flache Strand und die Betonbunker am Ortsrand sind zur Hauptsaison sicher von sonnenhungrigen Touristen überfüllt.
Der Campingplatz ist sehr naturverbunden, sprich ähnlich karg wie die Gegend, angelegt. Ich hab meinen Platz wieder so nahe wie möglich am Meer, der aber diesmal durch den breiteren Strand vom Meerwasser geschützt ist.
Zur Zeit geht gerade ein ordentliches Gewitter nieder, was mir aber gar nicht so unrecht ist, weil dadurch auch das Dach und die Aufbauten vom Salzwasser gereinigt werden.

Kilometerstand: 1203

Standort zum Übernachten: Kamp Zablaće, Baška (Insel Krk)

Freitag, 28.9.2012 - Tag 8

In der Früh regnet es immer noch und weil ich Richtung Süden eh grad am Meer anstehe, muss ich halt wieder mal nach Norden fahren. Beim Aus-Checken am Campingplatz treffe ich die 2 Schweizer, die mir seit 2 Tagen immer wieder übern Weg laufen. In Krk haben sie neben mir in der Meerwassergischt übernachtet, dann im Hafen von Krk, am Campingplatz in Baska und jetzt wieder vorm Weiterfahren.

Mit Bummeln wie in den letzten Tagen ist heute aber nichts, weil ich mir in Slowenien die Höhle von Postojna und die Burg Predjama ansehen möchte. Beide sollen ja weltberühmt sein, aber ich gebe zu, dass ich sie erst kenne, seit mir das nette Fräulein am Grenzübergang Portoroz eine Folder gegeben hat.

Aber zuerst muss ich nördlich von Rijeka über die Grenze ins große Euro- und Schengenland zurück. Die Autobahn kommt grundsätzlich noch immer nicht in Frage, daher versuche ich 2 km östlicher einen kleinen Grenzübergang, wo mir aber eine hübsche Grenzpolizistin freundlich, aber bestimmt erklärt, dass der der Übergang nur für Kroaten und Slowenen ist. Rund 10 km westlicher finde ich aber doch noch einen kleinen Übergang und kann mir auch hier die Autobahn ersparen.

Die Höhle und die Burg sind absolut sehenswert und ich kann sie jeden, der mal in die Nähe kommt, nur allerwärmstens empfehlen. Das Fotografieren ist in der Höhle leider verboten und daher dürft ihr die Fotos im Album auch nicht anschauen ;-)

Eigentlich wollte ich bei Postojna übernachten, aber dann bin ich doch noch etwas weitergefahren und bin jetzt auf einem Campingplatz am Stadtrand von Ljubljana, wobei „Platz“ eine herbe Untertreibung ist. Die Anlage ist zwar klein, aber fein, hat ein gut funktionierendes WLAN und wirkt eher wie ein Park.

Kilometerstand: 1432

Standort zum Übernachten: Camping Resort Ljubljana

Samstag, 29.9.2012 - Tag 9

Also, mein Urlaub geht langsam zu Ende und ich will heute so ungefähr die Hälfte des Heimweges zurücklegen. Nachdem ich mich entschlossen habe, auch am Heimweg sämtliche Autobahnen zu meiden, geht’s von Ljubljana die Ortschaften hoch zum Loiblpass, wo ich nach ziemlich genau einer Woche wieder österreichische Straßen befahre.

Über Klagenfurt, Völkermarkt und die Soboth fahre ich zur steirischen Weinstraße, weil ich mich nicht daran erinnern kann, dass ich jemals schon in dieser Ecke von Österreich gewesen wäre.

Weiter dann querfeldein übers südsteirische Hügelland, Feldbach und Ilz nach Fürstenfeld, wo ich eigentlich übernachten wollte, aber der ausgeschilderte Weg zum Campingplatz endet beim verschlossenen Tor des örtlichen Schwimmbades.

Zuerst überlege ich, mich einfach auf den Parkplatz des Fürstenfelder Flugplatzes zu stellen, wo ich 2003 die Segelkunstflug-Staatsmeisterschaft geflogen bin, aber dann finde ich ein paar Kilometer weiter einen kleinen Campingplatz für die letzte Nacht meiner Reise. WLAN gibt's zwar keines, aber im A1-Lande hab ich ja mein eigenes Internet wieder - zumindest am Laptop.

Kilometerstand: 1740

Standort zum Übernachten: Schloß Camping Burgau, nördlich von Fürstenfeld

Sonntag, 30.9.2012 - Tag 10

Letzter Tag, heute bin ich übers Südburgenland und bei Sopron kurz über Ungarn zum Neusiedlersee gefahren. Weil ich grad da war und ich ein komisches Hungergefühl verspürt habe, habe ich in Neusiedl einen kurz Abstecher zum Seeufer gemacht.
Über die Hainburger Donaubrücke und das Marchfeld bin ich dann nach Hause gefahren.
Schmutzwäsche raus, Nummertaferl aufs andere Auto - aus und vorbei!

Standort: Zuhause
Kilometerstand: 1979

Fazit

Schön war‘s, ich hab viele gesehen und bin viel herumgekommen.
10 Tage, 9 verschiedene Campingplätze, fast 2000km und über 10 Grenzübergänge gefahren, 205 Liter Diesel verbraucht.
Mein Wohnmobil hat nach 6 Jahren nur auf den verschiedensten Flugplätzen zum ersten Mal auch „richtige“ Campingplätze gesehen.
Der Zeitpunkt war optimal mit angenehmen Temperaturen, relativ wenig anderen Touristen, aber trotzdem haben noch die meisten Lokale und Einrichtungen geöffnet.

Und eines kann ich allen nur wärmsten empfehlen:
Runter von den Autobahnen und Schnellstraßen, rein in die Städte und Dörfer!


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