Motorradurlaub Südtirol 2013

Mit gerade mal 1500 km Motorraderfahrung und einem noch nicht eingefahrenem Motorrad in den Bergen Südtirols Urlaub zu machen ist schon etwas ambitioniert. Die Idee ist auch recht kurzfristig entstanden, weil meinem Freund Günter ein 2-wöchiger Urlaub am Strand von Grado etwas zu fad gewesen wäre.

Weil für mich ein Urlaub ohne mein Wohnmobil nur halb so schön ist, war im Vorfeld noch das Transportproblem zu klären. Zum Glück habe ich schon ein paar Tage vorher einen Motorradanhänger gekauft, der nur mehr geringfügig an meine Vorstellungen angepasst werden musste - was dann aber doch noch 2 lange Nächte gedauert hat.

Samstag, 20.7.2013 - Anreisetag

Am Vormittag fliege ich noch 4 Gäste-Kunstflüge und gegen Mittag fahre ich mit Wohnmobil und Motorrad am Anhänger Richtung Süden. Ziel ist das Alpencamp Kötschach-Mauthen, das wir als unser Basislager für die ersten Tage ausgewählt haben.

Sonntag, 21.07.2013 - Lesachtal

Da Günter und Christa erst am späten Nachmittag aus Grado eintreffen werden, beschließe ich, alleine die erste Tour zur Eingewöhnung in den Bergen zu fahren.

 

Das kurvenreiche und landschaftlich herrliche Lesachtal bietet sich vor der Wohnmobiltür förmlich an und bei Sillian kommt meine Ducati wieder auf italienischen Heimatboden. Die gut ausgebaute Straße von Sillian über Toblach bis nach Bruneck ist mit dem Motorrad recht reizlos und noch dazu recht stark befahren.

 

Ich biege daher in das Antholzer Tal zum Stallersattel ein, der auf der italienischen Seite so eng ist, dass es eine Einbahnregelung gibt, wo alle halbe Stunden die Richtung gewechselt wird - herrlich!

 

Das Defereggental ist landschaftlich und fahrerisch ebenfalls ein Genuss und kaum befahren.

 

Von Huben nach Lienz und Oberdrauburg werden die Kurvenradien deutlich weiter und die Geschwindigkeit höher, bis ich in das Winkelwerk zum Weissensee abbiege und über Hermagor zum Campingplatz heimfahre.

 

Fotos hab ich vor lauter Freude am Fahren leider keine gemacht.

 

Am Abend treffen Günter und Christa mit Wohnmobil und Motorrad am Campingplatz ein.

Montag, 22.07.2013 - Italien

Die erste gemeinsame Tour führt uns über den Plöckenpass in die italienischen Provinzen Friaul und Venetien, wo wir über herrliche Straßen und verschlafene Dörfer wie Paluzza, Sappada, St. Stefano oder Stanta Caterina nach Südtirol fahren.

 

Das gemeinsame Fahren geht recht gut, obwohl ich mit meiner geringen Erfahrung natürlich etwas langsamer als Günter unterwegs bin, was aber kaum stört, weil Günter eh immer wieder zum Navigieren stehen bleiben muss.

 

In Sappada vergönnen wir uns ein verspätetes Frühstück und beim Misurina-Stausee mit herrlichen Blick auf die drei Zinnen machen wir Mittagspause.

 

Den Rückweg kenne ich zwar schon von gestern, aber das Lesachtal ist auch in der Gegenrichtung ein Genuss.

Dienstag, 23.07.2013 - Großglockner

Wenn wir schon da sind, dann darf die Großglockner-Hochalpenstraße natürlich auch nicht fehlen. Entgegen meinen Befürchtungen ist die berühmteste Straße über den Alpenhauptkamm sogar relativ wenig befahren, obwohl die anderen Verkehrsteilnehmer natürlich deutlich mehr als gestern in Italien sind.

 

Die Pause am Hochtor hat für mich eine gewisse Anspannung, weil ich in irgendeiner Zeitschrift gelesen habe, dass bei meiner Ducati die Einspritzanlage für das Anspringen in Höhen über 2000m nicht richtig programmiert sein soll. Meine Werkstätte hat nix davon gewusst und die Hyperstrada zum Glück auch nicht - offensichtlich hab ich eh schon die neueste Software fürs Motormanagement drinnen.

 

Die gut ausgebaute Strecke über das Salzach- und das Ennstal geht recht flott, aber fahrerisch auch irgendwie reizlos dahin, dafür sind die langgezogenen mittelschnellen Kurven Richtung Obertauern ein Genuss für jeden Motorradfahrer. Über den Katschberg werden die Kurven wieder enger und bei Spittal an der Drau drückt die nasse Fahrbahn nach einem Regenschauer unsere Reisegeschwindigkeit.

 

Die Strecke nach Oberdrauburg ist wieder fade Schnellstraßen-Fahrerei, aber die Wolken schauen schon sehr bedrohlich aus und wir wollen daher zügig nach Hause kommen.

Mittwoch, 24.07.2013 - Übersiedlung nach Italien

Der Plan für heute ist, dass wir die Wohnmobile und Motorräder zu unserem zweiten Basislager, dem Campingplatz Corones in Rasen-Antholz überstellen und anschließend noch eine kleinere Tour fahren wollen.

 

Leider wird's für mich ein motorradfreier Tag, weil das Wetter schon am frühen Nachmittag sehr nach Gewitter aussieht, die dann auch tatsächlich kommen.

Donnerstag, 25.07.2013 - Pederü-Hütte

Über die herrlichen Serpentinen des Furkelsattels fahren wir nach St. Vigil, wo wir ins 12 km lange Rautal zur Pederühütte einbiegen. Die Straße kostet zwar ein paar Euro Maut, ist aber jeden einzelnen wert und fast schon übertrieben kitschig schön. Die gesamte Strecke wirkt mehr wie ein riesiger Park mit gepflegten Grünflächen, Geh- und Reitwegen und Parkbänken zum Ausrasten. Günter wollte zwar von der Pederühütte noch weiterfahren, aber der Schotterweg ist eher für die wilden Hunde vom Erzberg-Rodeo geeignet als für unsere Straßenmotorräder, so dass wir wieder die gesamte Strecke zurückfahren müssen.

 

Der weitere Weg geht auf herrlich kurvenreichen Straßen übers Würzjoch nach Brixen im Eisacktal. Das stark befahrene Pustertal wollen wir uns ersparen und weichen über das nördlich davon gelegene Hochplateu mit Terenten aus.

 

Bei Bruneck geht's dann für das kurze Stück bis zum Campingplatz aber doch wieder auf die Schnellstraße.

Freitag, 26.07.2013 - Tag der Pässe

Diesmal geht's über Toblach und über die mittelschnelle Strecke Richtung Misurina-Stausee zum bekannten Wintersportort Cortina d'Ampezzo.

 

Für die nächsten Stunden gibt's nur mehr Serpentinen ohne Ende. Zuerst über den Pass Giau, dann über den Pass Fedaia mit herrlichem Blick auf die Marmolada, wo wir nach einer kurzen Pause weiter Richtung Sellajoch und Grödnerjoch fahren - wir sind im Moped-Paradies angekommen.

 

Die kurvenreiche Strecke über das Gadertal nach Bruneck ist nach den vier 2000er-Pässen zwar nimmer ganz so spektakulär, aber trotzdem ein fahrerischer Genuss.

Samstag, 27.07.2013 - Grödner Tal

Leider schon die letzte Motorrad-Tour meines Urlaubs.

 

Die Anfahrt nach Cortina d'Ampezzo ist ähnlich wie gestern, nur fahren wir diesmal nördlich um den Monte Cristallo herum. Am Falzarego-Pass biegen wir falsch ab, wodurch wir bei Valparola ein Museum über den Irrsinn des 1. Weltkrieges finden.

 

Weiter geht's über Arabba zum Grödner Joch, das wir diesmal von der anderen Seite bezwingen. Dann biegen wir aber ins  Grödnertal ein, das aber touristisch wesentlich interessanter als fahrerisch ist.

 

Der Heimweg über Eisack und Pustertal ist dann ein gemütlicher Ausklang unseres Südtirol-Urlaubs.

Sonntag, 28.07.2013 - Heimreise

Mein Urlaub ist leider schon zu Ende und ich mache mich auf die lange Heimreise.

 

Günter und Christa haben noch ein paar Tage Urlaub und wollen in den nächsten Tagen über Tirol und Salzburg langsam heimfahren.

 

Zuhause hat es knapp 40° im Schatten und die angenehm kühlen Nächte werden mir in den nächsten Tagen am meisten fehlen.

Fazit

Insgesamt bin ich genau 1400 km gefahren und 28:28 auf dem Motorrad gesessen.
Mit dem Wohnmobil bin ich zusätzlich 1103 km und rund 14h gefahren.

 

Wir habe auf unseren Touren viel Spass gehabt, sind auf traumhaften Straßen tausenden Kurven gefahren und haben wunderschöne Gegenden gesehen.

 

Vor allem aber haben wir keine einzige Situation erlebt, die wir als gefährlich oder "gerade noch gut gegangen" emfunden haben.

 

Fahrerisch habe ich als "Spätberufener" enorm profitiert.

 

Man kann auch als Anfänger solche Touren wagen, nur muss man sein eigenes Tempo fahren und darf sich nicht von Überholenden mit weit schwächeren Motorrädern zum Fahren über seine eigenen Verhältnisse verleiten lassen.

 

Südtirol ist eindeutig das "Motorrad-Paradies" - wir kommen sicher wieder!


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