Winter-Fahrtraining

Dass der ÖAMTC Fahrtrainings anbietet, dürfte zumindest für die Österreicher unter den Lesern hinlänglich bekannt sein. Weniger bekannt ist, dass diese Kurse nicht nur in den Fahrtechnik-Zentren, sondern im Winter auch auf speziell präparierten Eis- und Scheefahrbahnen durchgeführt werden. Dazu werden in den verschiedensten Gebieten Österreichs Felder gemietet, wo die Bauern beim ersten Frost Wasser aufbringen, damit eine ca. 10-15 cm dicke tragfähige Eisschicht aufgebaut wird.

Die letzten Jahre

Seit ich meinen Range Rover Evoque habe, buche ich jährlich so ein Fahrtraining:

Ende Jänner 2012 war ich in Lackenhof bei herrlichsten Bedingungen mit einer durchgehende Schneefahrbahn, die wie eine Schipiste präpariert war.

2013 war am Semmering kein Schnee, aber dafür spiegelblankes Eis. Nach dem Riesenspaß vom Vorjahr war ich am Anfang darüber ziemlich enttäuscht, aber fahrtechnisch hat's dann sicher am meisten gebracht.

Der praktisch nicht vorhandene Winter 2013/14 hat leider kein Winter-Fahrtraining zugelassen.

Den heurigen Termin in Göstling an der Ybbs hätte ich im Jänner gehabt, aber auch da hat das Wetter keine Eisfahrbahn zugelassen und der Termin ist auf Februar verschoben worden.

Die Teilnehmer

Vielleicht sollte ich einleitend noch erwähnen, dass ich die ersten Jahre das Fahrtraining über Land Rover gebucht habe und heuer erstmals direkt beim ÖAMTC. Der Unterschied ist nicht allzu groß - Strecke und Instruktoren sind eh die gleichen, es wird halt mehr auf die geniale Allrad-Technik der Land und Range Rover-Modelle eingegangen. Heuer wollte ich ganz bewusst mal den Unterschied zu zweiradgetriebenen Autos "erfahren".

 

 

Die Teilnehmer haben eigentlich die gesamte Bandbreite abgedeckt und das zeigt auch schön, dass solche Trainings für wirklich alle gedacht sind: Vom Führerscheinneuling bis zum älteren Herren, über Frauen, die jahrelang nicht mehr mit dem Auto gefahren sind, bis zu den "Freaks", die das Ganze nur zum Spass, aber dafür jedes Jahr machen.

Von den Autos der Teilnehmer war auch alles dabei: Vom Kleinwagen mit abgefahrenen Reifen bis zum V8-SUV-Monster.

Die Piste

Obwohl daheim im Flachland vom Winter nicht mehr viel zu merken ist, sind die Verhältnisse in den Voralpen herrlichst: Am Morgen ist es mit -9°C bitterkalt und dementsprechend hart und griffig ist die Fahrbahn. Mein Mitleid im warmen Auto gilt den Teilnehmern der gleichzeitig stattfindenden Eis-Kart-Experience (eine Riesen-Gaudi dürften die Typen in den dicken Overalls aber trotzdem gehabt haben).

Mit jeder Runde fahren wir die Piste aber glatter und gegen Mittag wird es fast wie 2012 am Semmering.

Am Nachmittag zeigt die Sonne ihre volle Kraft und bei bis zu +10°C wird die Piste wieder weicher und griffiger.

Vielleicht war's ja nur durch die Verschiebungen bedingt, aber bei den Land Rover Trainings haben wir immer die gesamte Anlage exklusiv für uns gehabt und heuer haben wir sie uns mit den Kart-Fahrern teilen müssen.

Das Fahren

Nachdem schon in der Früh absehbar ist, dass die Piste am Nachmittag sehr weich werden wird und nach uns ja noch weitere Kurse vorgesehen sind, hat unser Instruktor die Theorie am Morgen auf das Allernotwendigste beschränkt und wir haben auch beschlossen, dass wir die eigentlich vorgesehene Mittagspause durchfahren wollen.

Die Übungen beginnen immer mit dem Slalomfahren, wo sich die Teilnehmer an die Fahrbahnverhältnisse und die Reaktionen ihrer Fahrzeuge gewöhnen können. Ich hab's auch gleich genutzt, um wieder mal die verschiedensten Einstellungsmöglichkeiten der genialen Range Rover Allradtechnik auszuprobieren. Es ist immer wieder beeindruckend, wie sehr die Fahreigenschaften eines Fahrzeuges beeinflusst werden können - von den Wappler-Einstellungen für normale Straßen und Schneefahrbahnen, wo dir das Auto wenig Möglichkeiten für Fehler lässt, bis zu den Schotter- und Wüsten-Programmen, die enorm viel Durchdrehen der Räder (wheel spin auf neudeutsch) und dementsprechend viel Fahrspass zulassen. Alles mit oder ohne der dynamischen Stabilitätskontrolle (ESP) ergibt ausreichend viele Möglichkeiten, um den Spieltrieb zu befriedigen. Wer mehr darüber wissen möchte, kann auf meiner Evoque-Seite weiterlesen.

Weiter geht's mit verschiedenen Brems- und Ausweichübungen, wo du sehr schön die Wirkung der elektronischen Helferlein, wie ABS, ESP und was halt sonst noch dein Auto hat, ausprobieren kannst.

Der Höhepunkt ist das freie Fahren auf der Strecke, wofür wir während der Aufwärmpausen der Kart-Fahrer immer die ganze Strecke ausnutzen können. Im Prinzip fährt dabei jeder wie er möchte und kann, nur das Überholen ist natürlich nicht erlaubt. Den enormen Allrad-Vorteil merkst dabei natürlich beim Beschleunigen auf den Geraden am deutlichsten und ich kann gar nicht so lange warten, um den Vorausfahrenden soviel Vorsprung zu lassen, dass ich eine ganze Runde so schnell als möglich fahren könnten. Ist aber eigentlich auch egal, ich fahre halt auf den Geraden langsamer, damit das Fahrzeug vor mir etwas weg kommt und probier dann in den Kurven alles mögliche aus.

 

Hier noch der Track aus meinem Navi:

Die Sicherheit

Dass dir oder deinem Auto bei so einem Fahrtraining etwas passiert ist schon extrem unwahrscheinlich. Die Geschwindigkeiten sind relativ gering und wenn mal einer seitlich rausrutscht, dann bleibt er wie auf dem Foto einfach im weichen Schnee stecken. Bei unserem Kurs ist das 3 oder 4x passiert, wobei nicht das geringste beschädigt worden ist.

Dreher auf der Piste sind völlig harmlos und sicher gut geeignet um ev. aufkommenden Übermut wieder auf das richtige Maß zurückzubringen.

 

Die Technik unsere Autos hat durch die vielen elektronischen Helferlein in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht, aber habe wir uns als Fahrer genauso weiterentwickelt?

Viele von uns haben das Autofahren in der Zeit vor ABS & Co gelernt und eine Kursteilnehmerin war völlig überrascht, dass man heute auch in Kurven bremsen kann (und im Notfall auch sollte). Ich möchte gar nicht wissen, wie viele vermeidbare Unfälle so passiert sind, aber bevor jetzt der eine oder andere Leser zum Schmunzeln beginnt, gehen wir eine Schritt weiter in die Gegenwart, die heute schon in unseren Fahrzeugen existiert: Wer weiß schon, wie sein ESP funktioniert und wie er seinem schleudernden Auto mitteilen kann, wo er eigentlicht hin möchte? Wäre das ein Vortrag vor Publikum, dann wäre es jetzt vermutlich sehr still im Auditorium (ich hätte es vor meinem ersten Fahrtraining auch nicht gewusst). In diesem Sinne ist die erwähnte Teilnehmerin eine wesentlich bessere Autofahrerin als diejenigen, die  sich nur dafür halten - sie hat ihre Defizite erkannt und vor allem hat sie auch etwas dagegen getan.

Ich bin überzeugt, dass sich keiner der Teilnehmer mehr vor einem rutschenden Fahrzeug fürchtet und weiß wie er im Ernstfall zu reagieren hat, aber trotzdem seine eigenen und die Grenzen seines Fahrzeuges kennt.


Aber auch ich hab bei meinem 3. Winterfahrtraining noch einiges dazulernen können, z.B. haben wir eine leicht hängende und ziemlich rutschige Kurve gehabt, wo das Auto immer extrem untersteuern über die Vorderachse zum äußeren Fahrbahnrand geschoben hat. Die natürliche Reaktion darauf, nämlich noch stärkeres Einlenken, hat die Probleme für den eh schon überforderten Reifen noch weiter verstärkt und letztendlich bist nur durch das langsamer werden in dieser Kurve ums Eck gekommen. Hab ich aber den Radeinschlag nicht erhöht, dann hab ich den Reifen zwar immer noch, aber nicht mehr so stark überfordert und er hat früher wieder greifen können, so dass diese Kurve schon deutlich einfacher und schneller zu durchfahren war. Das unangenehme Übersteuern war also immer noch da, aber nimmer so lange.

Das Déjà-vu-Erlebnis war aber, als ich im Übersteuern ganz kurz auf die Bremse gestiegen bin. Die eigentliche Bremswirkung war auf dem glatten Untergrund minimal, hat aber ausgereicht, um das Gewicht nach vorne zu verlagern, so dass die Vorderreifen wieder mehr Kraft übertragen konnten und plötzlich hat diese Kurve leicht übersteuernd, aber voll kontrollierbar enormen Spass gemacht. Theoretisch hab ich das alles zwar schon vorher gewusst, aber es in der Praxis auch umzusetzen ist eine ganz andere Baustelle.

Das Ganze hat erstaunlich viele Parallelen zur Kunstfliegerei - zuerst bist mit deinen Gedanken immer hinter dem Flieger/Auto, dann nach ein bisserl Übung gleichauf und irgendwann hast es geschafft und bist mit dem Denken ein bisserl voraus und freust dich, wenn dein Flieger/Auto kurz danach genau das macht was du beabsichtigt hast.

Üben kannst das mit dem Auto nur auf einer abgesperrten Strecke, wo du die selbe Kurve immer wieder probieren kannst und keine Angst vor einem Ausrutschen haben brauchst. Im öffentlichen Verkehr würde es vermutlich nicht recht lange gut gehen.

Fazit

Ich mache selten Werbung für irgendetwas, aber hier ist es mir ein großes Bedürfnis:

Vergönnt euch so ein Schnee- und Eistraining, es bringt enorm viel Sicherheit und macht noch dazu mächtig Spass. Es kostet zwar etwas, aber deutlich weniger als der geringste Blechschaden. Ich melde mich nächstes Jahr wieder an, vielleicht fährt ja der eine oder andere mit. In der Gruppe würde es sicher noch mehr Spass machen.

 

Hier noch der Link: ÖAMTC-Fahrtechnik.


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Herbert (Montag, 16 Februar 2015 08:05)

    Älteren Herren!